Hutreise brennt durch

„Weiter!“ riefen Bauch und Kopf – so einstimmig wie selten. In der „Stadt der Hüte“, Rioja, angekommen gab es einfach nichts, was mich dazu bewegen konnte, aus meinem bequemen Platz ganz vorne im Minibus auszusteigen. „Darf ich sitzen bleiben?“ fragte ich den erstaunten Fahrer.

Der Rucksack bleibt auf dem Dach - es geht noch ein Stückchen weiter.

Der Rucksack bleibt auf dem Dach – es geht noch ein Stückchen weiter.

Bevor ich Chachapoyas verließ, gab mir Jorge, der zuvorkommende Chef des Hotels Las Qrquídeas den Tipp mit, in Moyobamba vorbei zu schauen. „Ein wunderbares Thermalbad. und direkt nebenan führt ein Japaner eine Herberge, in der Du übernachten und fantastisch essen kannst.“

Die Worte „Thermalbad“ und „fantastisch essen“ hatten sich eingebrannt. Ein Päuschen im Thermalbad war  nach dem Sprint durch 8 Länder jetzt das richtige. Der staubige Busbahnhof in Rioja (nebenbei: fast alle Busbahnhöfe in Lateinamerika gewinnen keinen Tripadvisor-Aufkleber) schien mir ganz besonders grau und unattraktiv.

Also ließ die Hutreise ihre Hüte links liegen und brannte durch bis Moyobamba.
Na gut, ganz so radikal war es dann doch nicht: Moyobamba liegt 20 km von Rioja entfernt…

Richtige Entscheidungen fühlen sich soo gut an! Nach einer kleinen Irrfahrt in der Motorrikscha durch Moyobamba fand ich das Hotel des Japaners, dessen Namen ich vorher nicht kannte. Es liegt ganz versteckt im Wald, hinter dem Thermalbad. In der „Casa de Seizo“ empfingen mich das liebenswürdige Paar Aurora und Seizo, zwei Hunde, die mich sofort um den Finger gewickelt hatten, Kolibris, Orchideen und 5000 Fische in drei großen Teichen.

Host Seizo

Host Seizo

Es war ein bisschen wie nach Hause kommen. In der großen Küche saß ich bei der Familie am Tisch, Seizo briet einen göttlich leckeren Tilapia (gerade aus dem Becken gefischt), Aurora machte die Salate und schnackte mit mir genauso, wie man in Schleswig-Holstein miteinander schnackt: Langsam, entspannt, mit Pausen und ohne Show.

Am nächste Morgen begleiteten mich die Hunde durch den Wald zum Thermalbad und bei Sonnenaufgang hüpfte ich in ein 40 Grad heißes Becken. Dann eiskalte Dusche, dann 41 Grad. Und viel Geschnatter mit den 3-4 Stammkunden des Bades, die mit mir in den Becken hockten. Danach gab es ein köstliches Frühstück, Wanderungen zu einem Orchideengarten, zu einer Kolibri-Beobachtung und zu Wasserfällen. Ich sah ein Trapiche, eine Zuckerrohrmühle mit zwei riesigen Bullen vorgespannt, und durfte den frischen Saft direkt probieren.

Finde den Fehler: Welches dieser Kerlchen ist kein Kolibri? Und kann mir irgendwer mit den Namen helfen?

Hüte? Ach ja. Einen Abstecher nach Rioja machte ich dann doch. Ich fand ein verstaubtes Museum, eine Hutweberin, geschlossene Kunsthandwerker-Werkstätten und eigentlich niemanden, der etwas über Riojas Hüte sagen konnte. Wenn dies das Land der Hüte ist, muss ich anders suchen.

Andererseits hat mich mein Huttick wieder einmal an einen neuen Lieblingsort geführt.

Loslassen und den guten Geistern folgen, das ist Reisen mit Hut 😉

Nachdem sich die Ornithologen ausgetobt haben, dürfen nun die Blumenfans ran: Hilfe! Wie heißen sie?

Ein Kommentar zu “Hutreise brennt durch

  1. Sehr fein! Und vielleicht hätte der Artikel auch heissen können: Hutreise geht baden. (-: Oder: Hut mit Bauch(gefühl)
    Vor Tagen habe ich auf ‚arte‘ einen Bericht über Kolibris gesehen. Faszinierend, was diese kleinen Tiere leisten. Als Zugvögel, ich weiss nicht ob es nur einige Gattungen der Kolibris so machen, fliegen sie 800km in 18 Stunden nonstop übers Meer. Klar, vollgetankt.
    …Ohne die Leistung der 8-Länder-Sprinterin, den 2BS und Seizo zu schmälern…

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