No One-Hat-Wonder: Peru!

Das Highlight zum Schluss

Norden

Hochland

Colca

Hutwunderland

 

Das Highlight zum Schluss!

Peru ist so voller Hüte, dass ein Hutreise-Herz Luftsprünge vollführt! Und es sind nicht nur viele, sondern auch viele verschiedene Kopfbedeckungen, die Männer und noch mehr Frauen in diesem Land stolz präsentieren. Es sind Traditionen genauso wie Moden, regionale Unterschiede und einfach auch ganz viel eigener Geschmack. Cowboyhüte, Melonen, Stroh, Alpaka-Filz, perlenbestickte „Obstschalen“ … alles geht.

Farbenfoh und "vielschichtig" - die Outfits in Peru ;)

Farbenfoh und „vielschichtig“ – die Outfits in Peru ;)

Ich hätte stundenlang knipsen können, wären nicht gerade die Hochland-Peruaner/innen eher kamerascheu. Und es gibt auch ein paar Tränen neben diesem Hutglück:

  1. Ich hatte eindeutig zu wenig Zeit und konnte einige Orte nicht besuchen!
  2. Zur Hutgeschichte Perus gehört immer auch Bolivien – vor allem La Paz. Doch an der Grenze zu Bolivien blieb ich hängen: Streik in La Paz inklusive Straßenblockaden. Kein Hin, kein Zurück. Völlig normal für Bolivien. Aber warum ausgerechnet jetzt?!
  3. Die Kunst der Hutherstellung spielt in den Gegenden Perus, die ich besuchte, keine große Rolle. Manche Dörfer haben sich tatsächlich ihren Stil bewahrt. Viele aber auch nicht. Und so wird getragen, was es eben gibt. Meine Fragen nach dem Sombrerero, dem Hutmacher, liefen ins Leere oder sie führten ins Ausland. Chinesische, maschinell hergestellte Ware kostet eben weniger als ein handgewalkter Alpaka-Hut. Bolivianische Fabriken bei La Paz stellen Filzhüte in Massen her. Aber warum ich dort nicht aufschlug, schrieb ich ja bereits.
Ohne Hut geht nix - vor allem im Hochland, wo die Sonne brennt.

Ohne Hut geht nix – vor allem im Hochland, wo die Sonne brennt.

Wie in Kolumbien und Ecuador erwartete ich anfangs, dass man mir in Peru voller Stolz zeigt, woher die eigenen Hüte kommen und vielleicht auch, wie sie hergestellt werden. Jede Region, jedes Dorf habe seine eigene Mode – da gibt es doch bestimmt den einen oder anderen Hutmacher.

Aber diese Info stellte sich als veraltet heraus. Und das ist gut so. Warum? Um das zu erkennen und um zu verstehen, dass dieses Land eben anders tickt, brauchte ich ein bisschen. Erst einmal bewunderte ich diese unglaubliche Vielfalt:

 

Perus Norden hat viel in Ecuador abgeguckt. Vor allem im heißen Tiefland tragen die Menschen leichte Strohhüte, gewebt aus dem Stroh der Palme Bombonaje. Die Hüte sind fester, haben andere Formen und werden auch nicht gepresst so wie in Ecuador und Kolumbien.

Dass hier Hüte für das ganze Land produziert werden, scheint keinen wirklich zu interessieren. In Rioja, der „Stadt der Hüte“, stand ich vor einigen verschlossenen Türen, als ich mir die Hutmacherei der Palmstrohhüte ansehen wollte.

Hochland (vor allem Süden und Cusco)

Hier geht huttechnisch die Post ab. Vor allem Filzhüte sind unterwegs und das vor allem auf Damenköpfen. Die Männer tragen traditionell eher Chullos, diese typischen bunten Wollmützen mit Ohrenlappen. Man sagt (mit eigenen Augen habe ich das definitv nicht gesehen), dass ein Junge seinen ersten Chullo von seinem Vater gestrickt bekommt.

Auch die Soldaten sind "behütet"- Ich persönlich finde den Chullo aber schöner.

Auch die Soldaten sind „behütet“- Ich persönlich finde den Chullo aber schöner. Dieser Mann will zu seinem hm „Schneckenorchester“(?) – die Inkas kommunizierten mit spannenden Instrumenten, Seeschneckengehäuse und Kuhhörner gehörten dazu.

Also zurück zu den Damen: Stellt Euch einfach alle Formen vor, die Ihr von Hüten so kennt: Melonen, hohe Zylinder, große Krempe, riesige Krempe, keine Krempe, mit Verzierung, ohne, vollständig bestickt….

Die Farben sind im Alltag bis auf wenige Ausnahmen eher gedeckt. Braun, Schwarz, Grau. Für besondere Feiertage werden die bunten Hüte rausgeholt. Die sind dann oft so verspielt verziert, dass man meinen könnte, die Fantasie eines ganzen Kindergartens stecke in dem Design.

Gedeckte Farben im Alltag

Gedeckte Farben im Alltag (zumindest an den Hüten).

Die Feiertagshüte gehören zweifelsohne zum Folklore. Im Alltag und für ihre Abendgarderobe gehen die Damen mit der Mode so wie ich Klamotten shoppe. Da mag ein Dorf vielleicht einen bestimmten Stil bevorzugen. Aber hält Frau sich daran?

Meine verwirrten Fragen, welcher Hut denn nun woher komme, beantworteten die Huthändlerinnen Mónica und ihre Kollegin mit einem geduldigen Lächeln. „Diesen Hut findest Du vor allem in Cusco. Und diesen hier in Arequipa. Aber such Dir doch einfach einen aus.“ Und als ich dann einen besonders hohen Hut in der Hand hielt: „Der, naja der wird nun wirklich NUR im Norden Cuscos getragen.“ Also doch! Einige der Hüte haben ganz klar eine regionale Zuordnung. Andere eher nicht. Wie soll man sich in diesem ungeschriebenen Regelwerk nur zurechtfinden?

Mónica und ihre Kollegin mit einigen für Arequipa typischen Strohhüten

Mónica und ihre Kollegin mit einigen für Arequipa typischen Strohhüten

Gebt mir noch 6 Wochen, dann erstelle ich Euch ein Glossar.

Unwissend wie ich war und bin, schnappte ich mir meinen schönen Panama Hut und reiste weiter.

Colca

Sprach ich gerade von gedeckten Farben. Hier kommt die Ausnahme: Die Colca-Hüte sind so bunt bestickt, dass man stundenlang auf das Muster gucken und immer wieder etwas Neues entdecken könnte. Sie haben ein bisschen was von einem Mandala. Doof nur, dass die Frauen im Colca Tal sehr ungerne von einer Reisenden angestarrt werden, auch wenn die nur – ganz unschuldig – über die Hutmuster meditiert.

Die Colca-Tracht ist mit Abstand die am aufwendigsten verzierte.

Die Colca-Tracht ist mit Abstand die am aufwendigsten verzierte.

Mit Schirm, Charme und Panama Hut unterwegs habe ich ein paar der Frauen dann doch überredet, Modell zu stehen für ein Foto.

Spannend am Colca-Oufit finde ich, dass die gesamte – ebenso reich bestickte Kleidung – langsam aber sicher aus dem Alltag verschwindet, während der Hut bleibt. Zu Festen sieht man die tollen, mehrschichtigen Kleider. Die Hüte hingegen sind überall. Jede Frau, auch wenn sie im Jogginganzug Brötchen holen geht, trägt den Colca Hut.

Übrigens ist auch hier eine Zuordnung zu einem Dorf per Hutmuster out of fashion. Mittlerweile trägt Frau den Stil eines bestimmten Modisten.

Hutwunderland

Anfangs war ich enttäuscht über das Verschwinden der Bedeutung oder regionalen Zuordnung dieser Hüte. Ich ärgerte mich über die Billigimporte aus China. Dass diese Hutkultur aber nun einmal lebendig ist und sich weiterentwickelt – ganz im Gegensatz zur Folklore – finde ich mittlerweile viel spannender als starre Traditionen. Schließlich war der Hut auch nicht schon immer in Lateinamerika, sondern wurde den Einheimischen von besonders tüchtigen Händlern angepriesen mit allen möglichen Tricks. Dass sich daraus eine völlig eigene Kultur entwickelt, hätten die emsigen Händler wahrscheinlich nicht gedacht. Solange diese Vielfalt bleibt, nenne ich Peru (und bestimmt auch Bolivien) mein Hutland No. 1!

Eine Witwe. In dem gleißenden Licht fast wie ein Schatten unterwegs

Eine Witwe. In dem gleißenden Licht fast wie ein Schatten unterwegs

Quellen:

http://archive.peruthisweek.com/features-476-art-culture-lifestyle-country-hats 7.05.2008

http://bestoflatinamerica.travel/bolivia/women-wear-bowler-hats-bolivia-peru/ 13.05.2015

https://prezi.com/_exdkqcvte10/the-traditional-hats-of-peru/ 14.10.2013

3 Kommentare zu “No One-Hat-Wonder: Peru!

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